Die Ortsgemeinde Goldach hat grosse Projekte: Wohnüberbauung Mühlegut und Erschliessung von Industrieland im Gebiet Thannäcker. Zu reden gibt an der Bürgerversammlung aber ein kleiner Stall.

Tagblatt 28. März 2017 – Fritz Bichsel

Die Ortsgemeinde bilden 1148 Personen, die Goldach als Bürger- und Wohnort haben. Von den 925 Stimmberechtigten nehmen 292 oder 32 Prozent an der Bürgerversammlung in der Wart­egghalle teil. Eine solche Beteiligung erreicht manche Gemeinde nicht einmal an der Urne.

Diese grosse Ortsgemeinde hat auch Gewicht als grösste Grundeigentümerin in Goldach und mit Beiträgen zum Nutzen der Öffentlichkeit – im Bericht für 2016 mit 459000 Franken ausgewiesen. Entsprechend be­deutend ist die Tätigkeit ihrer ­Behörde, des Verwaltungsrates. Bei Meinungsverschiedenheiten kann er damit rechnen, dass die Bürger seiner Linie folgen. Diesmal geht es um den Bauernhof Withen. Dort übernimmt die nächste Generation der langjährigen Pächterfamilie. Der Verwaltungsrat beantragt grosszügige Renovation des Hauses für 120000 Franken, verlangt aber auch etwas: den Abbruch der alten Scheune auf der Weide oberhalb der Schiessanlage. Ein Bürger stellt Antrag, das Gebäude zu erhalten und das Angebot der Pächter für Beteiligung an der Sanierung zu nutzen. Präsident Rolf Heinzmann entgegnet: Die Scheune sei in desolatem Zustand und werde nicht für den Hof genutzt, sondern für den Lohnbetrieb der Pächter ausserhalb der Liegenschaft der Ortsgemeinde. Die Versammlung lehnt den Antrag des Bürgers klar ab. Gleich erging es Bürgern in Vorjahren mit Anträgen für Auswahl bei der Wahl der Verwaltungsräte und für Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde beim Projekt Mühlegut.

Der Verwaltungsrat kämpfte bis Anfang 2016 weiter gegen den Plan der Gemeinde für eine Verbindungsstrasse ohne Barrieren über Bauland der Ortsgemeinde im Mühlegut. An der Bürgerversammlung der Gemeinde unterlag er aber. Er akzeptiert den demokratischen Entscheid und delegiert zwei Vertreter in die Planungskommission. Was auf ihrem Land gebaut wird, will die Ortsgemeinde aber selber bestimmen. In ihrer Projektkommission arbeitet jedoch auch der neue Gemeindepräsident Dominik Gemperli als Bindeglied zur politischen Gemeinde mit. Der Rat beantragt 150000 Franken für einen Studienwettbewerb. Das genehmigen die Bürger mit dem ganzen Budget für 2017. Die grosse Überbauung Mühlegut wird nun zum Schwerpunkt in der Tätigkeit der Ortsgemeinde.

Die Rechnung 2016 schloss bei 1,2 Mio. Aufwand mit 198000 Franken Gewinn. Die Bürger genehmigen die Rechnung und die Einlage des Gewinns in die damit auf 866000 Franken steigende Reserve für die Thannäckerstrasse einstimmig. Diese Strassse – deren Kosten nach Information von Präsident Heinzmann über einer Million liegen werden – wird Industrieland erschliessen. Die politische Gemeinde will dieses durch Landumlegungen nutzbar machen, wogegen aber noch Einsprachen von Dritten hängig sind.

Die Bürgerversammlung der Ortsgemeinde Goldach ist auch ein gesellschaftlicher Anlass. Zum Auftakt unterhielten Schüler mit Liedern, nach den Geschäften gibt es ein Nachtessen.

2017-03-30T21:34:39+00:00