Wer grössere Flächen Wald besitzt, der muss sich auch um sie kümmern; sie pflegen und hegen. Der gestern unterzeichnete Betriebsplan sichert Nachhaltigkeit und Biodiversität beim Wald der Ortsgemeinde Goldach.

Tagblatt 6. April 2016 – Rudolf Hirtl

GOLDACH. Es riecht nach Holz und frischem Harz beim Forstwerkhof im Witenwald. Ein Specht klopft derart fleissig in den Stamm, dass ein Tannzapfen auf dem Parkplatz fällt. Fast so, als würde er darauf aufmerksam machen: «Gebt acht auf meinen Lebensraum.» Und mit diesem Anliegen ist er bei der Ortsgemeinde Goldach genau richtig, denn diese nimmt ihren Auftrag sehr ernst, den Wald als Lebens- und Erholungsraum zu erhalten und zu pflegen.

Betriebsplan ist bis 2030 gültig
Aus diesem Grund wurde gestern auch im Beisein von Vertretern der Ortsgemeinde und des Kantonsforstamtes St. Gallen der Betriebsplan Wald unterzeichnet, der damit rückwirkend auf den 1. Januar Gültigkeit hat. «Wir haben seit Juni 2014 während vieler Stunden daran gearbeitet», sagt Ortsgemeindepräsident Rolf Heinzmann, ehe er seine Unterschrift auf das 30seitige Dokument setzt und sich bei Revierförster Reto Bless bedankt, der nun nach knapp sechs Jahren im Forstrevier Rorschach ins Forstrevier Kaltbrunn wechselt. Auch Kantonsförster Raphael Lüchinger unterzeichnet die Vereinbarung. «Man könnte den Betriebsplan auch Businessplan für Waldeigentümer nennen», sagt er, lege dieser doch die Ziele für die Waldentwicklung verbindlich fest. Waldeigentümer mit mehr als 50 Hektaren Wald sind gemäss kantonaler Waldgesetzgebung verpflichtet, einen solchen Betriebsplan zu erstellen. In der Waldregion 1 St. Gallen betrifft dies zehn Eigentümer; meist Ortsgemeinden und Klöster. «Goldach ist da etwas speziell», sagt Lüchinger lachend, «denn die Ortsbürger sind mit dem Anliegen Betriebsplan an uns herangetreten. Ansonsten sind Waldbesitzer diesbezüglich deutlich zurückhaltender.» Laut Reto Bless legt der Plan die Bewirtschaftungsziele und die Entwicklung während der kommenden 15 Jahre fest. Kernpunkte sind unter anderem Schutzwald, Biodiversität (Vielfalt), Erholung oder Holzproduktion. Konkrete Massnahmen seien beispielsweise das Durchpflegen von Schutzwald oder die Aufwertung von Waldrändern. Insbesondere Kirschen haben es Bless angetan. «Die weissen Blüten sind ein ästhetischer Blickfang, wenn sie auf einer Länge von 300 Metern blühen», sagt Bless und verweist dabei auf den Geissrüti-Wald (Nähe Schweinemästerei) an der Untereggerstrasse. Als geologische Besonderheit nennt er Erdgletscher und Erdlöcher im Rantelwald. «Wir wollen beides erhalten und den Fluss nicht verhindern.»
Viel mehr als das Nötigste
Wer so wie die Ortsgemeinde Goldach nicht nur das Nötigste macht, der muss einige zehntausend Franken jährlich in seinen Wald investieren. Der Verkauf von Holz deckt die Kosten in der Regel nicht. Der Anteil von Fichten beträgt im St. Galler Wald 50 Prozent; eine nicht unproblematische Kennzahl. «Fichten haben als Flachwurzler mit der Klimaerwärmung Mühe. Wir müssen uns langfristig überlegen, mit welchen Baumarten wir sie ersetzen können», sagt Reto Bless.

2016-04-25T15:04:44+00:00